Interview mit Johanna Dietl, BEd – MS Kematen
Was war Ihr persönliches Highlight als Lehrperson?
Unser persönliches Highlight war der Moment, als die Schüler*innen ihr eigenes Produkt zum ersten Mal in der Hand hielten. Zu sehen, wie aus einer Idee ein reales Produkt entsteht und die Jugendlichen stolz darauf reagieren, ist besonders beeindruckend. Dieser Praxisbezug motiviert enorm und zeigt, was Lernen bewirken kann.
Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für die Schüler?
Die größte Herausforderung lag darin, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig Entscheidungen zu treffen. Viele sind es gewohnt, klare Vorgaben zu bekommen – hier müssen sie selbst planen, organisieren und auch mit Unsicherheiten umgehen. Auch Zeitmanagement und das Durchhaltevermögen spielen eine große Rolle.
Welche Lernfortschritte beobachten Sie bei den Schüler*innen?
Wir sehen vor allem Fortschritte im selbstständigen Arbeiten, im strukturierten Denken und im Problemlösen. Die Schüler*innen lernen, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, kalkulieren Preise, reflektieren ihre Entscheidungen und entwickeln ein besseres Verständnis für den gesamten Prozess – von der Idee bis zum Verkauf.
Inwiefern unterscheidet sich dieses Lernen vom klassischen Unterricht?
Dieses Lernen ist viel praxisorientierter und handlungsbezogen. Statt rein theoretischem Wissen steht das „Lernen durch Tun“ im Mittelpunkt. Fehler werden nicht nur korrigiert, sondern als wichtiger Teil des Lernprozesses verstanden.
Welche „Soft Skills“ entwickeln die Schüler besonders?
Besonders stark entwickeln sich Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Eigeninitiative. Auch Kreativität, Verantwortungsbewusstsein und Durchhaltevermögen werden gefördert. Viele Schüler*innen wachsen über sich hinaus, vor allem wenn sie ihre Ideen präsentieren und ihr Produkt verkaufen dürfen.
Wie erleben Sie die Teamdynamik der Schüler*innen?
Die Teamdynamik ist sehr spannend zu beobachten. Anfangs gibt es oft Unsicherheiten oder Konflikte, aber im Laufe des Projekts lernen die Schüler*innen, Aufgaben zu verteilen, Kompromisse zu finden und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Diese Prozesse sind unglaublich wertvoll für ihre persönliche Entwicklung.
Würden Sie das Projekt weiterempfehlen?
Ja, auf jeden Fall. Solche Projekte verbinden Theorie und Praxis auf eine sehr sinnvolle Weise und bereiten die Schüler*innen auf reale Herausforderungen vor. Sie fördern nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch wichtige Lebenskompetenzen.
Welche Rolle spielt wirtschaftliche Bildung in der Mittelschule?
Wirtschaftliche Bildung ist aus unserer Sicht essenziell. Sie hilft den Schüler*innen, grundlegende Zusammenhänge unserer Gesellschaft zu verstehen – etwa wie Unternehmen funktionieren, wie Preise entstehen oder welche Bedeutung Konsum hat. Gerade in der Mittelschule legt man damit eine wichtige Basis für selbstbestimmtes und verantwortungsbewusstes Handeln im Alltag und im späteren Berufsleben.
Das Beispiel der AlpenJuniors zeigt eindrucksvoll, welchen Mehrwert praxisorientierte Wirtschaftsbildung bieten kann. Die Jugendlichen lernen nicht nur, wie ein Unternehmen funktioniert, sondern entdecken auch ihre eigenen Stärken, entwickeln Selbstvertrauen und erleben, was sie gemeinsam erreichen können.
Ein besonderer Dank gilt der betreuenden Lehrperson der MS Kematen für ihr Engagement und die spannenden Einblicke sowie allen Schüler der AlpenJuniors, die mit ihren Ideen und ihrem Einsatz Unternehmergeist bewiesen haben.
Denn genau darum geht es bei der Junior Basic Company: Wirtschaft nicht nur verstehen, sondern selbst erleben!